DAS DIALOG-LAB



Menschen leben und arbeiten zumeist in Gruppen (Familie, Verein, Mannschaft, Projektteam, Organisationseinheit). Die Suche nach Möglichkeiten zur sinnvollen Steuerung von Gruppen bzw. zur Veränderung führte 1947 in den USA zur Entwicklung des "Gruppendynamischen Laboratoriums" durch Kurt Lewin. Dort ist das Feedback in seiner Bedeutung für soziales Lernen entdeckt worden und von hier aus entwickelte sich gruppendynamische Trainings weiter, in der weitestgehend auf inhaltliche Vorgaben und auf Lernstoff verzichtet wird. Statt dessen wird das ins Blickfeld gerückt, was die Teilnehmenden im "Hier-und-Jetzt" ihres Miteinanders selbsttätig entdecken können und verändern möchten.
Im 1990 gegründeten Center for Organizational Learning am MIT wurde ein Dialog-Projekt unter der Leitung von William Isaacs durchgeführt, das die Idee des Dialogs als Weg zur Lernenden Organisation weltweit verbreitete und aus dem heraus Peter Senge sein Buch Die fünfte Disziplin erarbeitete.

Das Dialog-Lab knüpft an Erikenntisse aus der Gruppendynamik an, indem durch einen ständigen Wechsel von Tun und Innehalten, von Handeln und Nachdenken die Teilnehmenden angeregt werden, ihren Umgang mit anderen zu erkennen und ihre Gewohnheiten zu überdenken, mit denen sie sich in Gruppen beteiligen.
Ebenso knüpft das Dialog-Lab an das Dialog-Projetk am MIT an, indem das dialogische Gespräch von Menschen in Gruppen als idealer Weg zum gemeinsamen Lernen und zum gegenseitigen Verständnis füreinander angesehen wird.
Weiterhin knüpft das Dialog-Lab an die systemtheoretische Interpretation des Kalkuls von Spencer Brown und das daraus folgende Verständnis für das Management von Organisationen an, das gesellschaftliche und individuelle Kontexte von Organisationen mitzudenken ermöglicht. Diese Kontextreflexion generiert Möglichkeiten des Navigierens in unübersichlichen (Gruppen)Situationen.

Das Dialog-Lab dient im Rahmen der Praxisforschung insbesondere dem Erkunden von Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von dialogischen Gesprächen in verschiedensten Settings und Kontexten.

Im Dialog-Lab wird den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben, praktische Fähigkeiten und/oder das Umsetzen kognitiven Wissens anhand von beispielhaften Aufgabenstellungen einzuüben. Dies geschieht in einem experimentellen Übungsraum für das Erleben und das Mitgestalten von Gruppenprozessen mit dem Ziel, das soziale Geschehen in Gruppen kennenzulernen und sich in der Verständigung mit anderen in Gruppen zu vervollkommnen.
Ein Dialog-Lab ist ein experimenteller, zeitlich, geographisch und architektonisch abgegrenzter Übungsraum Das Dialog-Lab bietet einen zeitlichen und geographischen Raum, um das Weselseitig aufeinander bezogene Wirken eigener und fremder Verhaltensweisen, Einstellungen, Werte, Gewohnheiten und Urteile in Gruppen zu beobachten und zu reflektieren, und neues Verhalten auszuprobieren und Selbsterkenntnis reifen zu lassen.
Im Fokus steht die Achtsamkeit für das "Hier + Jetzt". Die Aufmerksamkeit der Beteiligten wird neben der Inhalts-Ebene verstärkt auf die Prozess-Ebene gelenkt. Die Leitung der Gruppen gibt nur die grundlegendste Struktur vor, um den Teilnehmenden möglichst viel Freiraum für eigenverantwortliches Handeln zu lassen. Gruppenrollen und Gruppenregeln sind von den Teilnehmenden selbst auszugestalten, um handlungsfähig zu werden.
Im Kern geht es um die Erkundung eigener/fremder Gewohnheiten, Annahmen, Wertvorstellungen, Denk- und Verhaltensweisen sowie Erwartungshaltungen in der direkten Begegnung. Die stets mitschwingende Grundfrage lautet: Was tust Du da, und wie kommst Du dazu, das … so zu verstehen, wie Du es tust? Diese Frage soll nicht zu einer Ursachenforschung, Bewertung oder Beurteilung führen und hat keinerlei Verhör-Charakter; vielmehr geben wir durch diese Frage einander Raum und Zeit zur Annahme dessen, was dem sprechenden Menschen "hier + jetzt" wirklich bedeutsam ist.

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